Ameisen in die Winterruhe zurücksetzen?

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Boro
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Registriert: 28. März 2004, 19:00

AW: Ameisen in die Winterruhe zurücksetzen?

Beitrag von Boro »

Ich denke, dass die vorwiegend exogen bestimmte Vorbereitung auf die Winterruhe nicht ausschließlich von den sinkenden Temperaturen abhängig ist. Die stets geringer werdende Tageslänge und die durch den flacheren Tagbogen der Sonne bedingte geringere Lichtintensität dürften auch eine Rolle spielen. Dazu kommt das immer geringer werdende Nahrungsangebot, denn auch die Insekten, die als potentielle Nahrung in Frage kommen, sterben ab oder ziehen sich zur Überwinterung zurück. Nicht nur die Lufttemperatur, auch die Bodentemperatur ist wichtig.
Diese Faktoren führen zur Vorbereitung auf die Winterruhe. Meinen Beobachtungen nach sieht man im Freien einzelne Lasius-Arten, Formica- od. Serviformica-Arten besonders lange ausharren. Die Formica-Arten überwintern ohne Brut und versuchen daher Larven noch rasch zur Verpuppung und dann noch zum Schlüpfen zu bringen. Die letzten Aktivitäten dienen auch zur Aufstockung der eigenen Fettreserven.
Generell scheint eine Lufttemperatur von etwa 10° für die Aktivität der meisten Arten ein Schwellenwert zu sein. Im Okt./Nov. ist aber der Boden in der Regel wärmer als im März, sodass man davon ausgehen kann, dass dieses Temperaturmaximum einige Male hintereinander auftreten bzw. um ein paar Grade überschritten werden muss, damit viele Arten im März wieder an die Oberfläche kommen.
Voriges Jahr konnte ich bereits im Februar feststellen, dass etwa Formica fuscocinerea in unserer Stadt und da im Bereich versiegelter Flächen (Asphalt, Beton) als erste Ameise überhaupt an der Oberfläche erschienen ist. Der dunkle Asphalt erwärmt sich eben viel rascher.
Auf der anderen Seite spielen ein paar recht warme Tage im Vorfrühling dann keine Rolle, wenn etwa der Boden noch gefroren ist. Auch 15° Lufttemperatur nützen nichts, wenn in weniger gut besonnten Lagen der Boden noch ganz kalt ist. Man kann das auch messen, indem man einen Temperaturfühler (wie er auch oft zum Kuchenbacken verwendet wird) zur Messung der Bodentemperatur in ein nur wenige cm tiefes Loch steckt.
Für das eben angeführte Beispiel habe ich im vergangenen März wiederholt nur 5° oder 6° Bodentemperatur gemessen. Das ist für eine Aktivität der im Erdboden überwinternden Arten zu wenig.
Beste Grüße Boro
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Jacky
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Registriert: 29. Juli 2008, 13:50

AW: Ameisen in die Winterruhe zurücksetzen?

Beitrag von Jacky »

Danke Imago für deine Erläuterung.
Wirklich Interessant wird die Frage bei südeurop. Arten. In so gut wie allen Shops bekommt man zu lesen "kann Winterruhe im ungeheizten Zimmer verbringen". Nun ist es schon mal Auslegungssache wie viel Grad hat es in einem ungeheiztem Zimmer 13, 15 oder 17? Selbst bei 17° sind so gut wie alle Symptome für eine Winterruhe vorhanden (Wintertraube ausgeschlossen), doch halten sie auch wirklich eine?
Ich habe festgestellt das bei meinen Camponotus barbaricus die ja aus dem südlichsten Europa kommen erst unter 10° eine Wintertraube gebildet wird und man ausgehen kann das sie auch wirklich in Winterruhe sind. Doch Temperaturen von 10° und weniger haben mit einem ungeheitzem Zimmer nichts mehr zu tun.
Meiner Meinung nach besteht auf jedem Fall Aufklärungsbedarf.

Gruß, Jacky
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